Teil 2:
Broch & Woop

Ungefähr um das Jahr 1908 hatte Emil Broch bereits eine Rasiermesserschleiferei gegründet. Sein Partner hieß August Woop, und dementsprechend gaben sie dem neuen Unternehmen den Namen Broch & Woop. August Woop wurde in alten Adressbüchern als Vertreter gelistet, weshalb es sich auch hier – wie bei Emils späterer Kooperation mit seinem Sohn Willy – um eine Handwerker/Kaufmann-Partnerschaft gehandelt zu haben scheint.

Das Unternehmen wurde erstmals im Adressbuch von 1909 genannt. Der Firmensitz wurde unter der Bezeichnung „Schaafenmühle“ in Höhscheid angegeben. Emil Broch wohnte zu diesem Zeitpunkt zwar noch in seinem Elternhaus unter der Adresse Schaafenmühle 3, die angegebene Lage bezog sich aber wohl eher auf den in unmittelbarer Nähe gelegenen Schaafenmühler Kotten. Denn dieser war nach dem Brand von 1908 gerade erst von Emil und Hugo Broch wieder aufgebaut worden. Dabei hatten sie das Fachwerkgebäude in Ziegelmauerwerk neu errichtet und zudem ein neues Holz-Wasserrad mit einem Durchmesser von drei Metern eingebaut.

Mögliche Schleifer für Broch & Woop können neben Emil und ggf. Hugo Broch auch Edmund Stamm, Paul Wagner, Heinrich Waldeier, Wilhelm Göbel und Hugo Hardt gewesen sein – allesamt nachweislich Schleifer, die in unmittelbarer Nähe zum Schaafenmühler Kotten gewohnt haben. Edmund Stamm wohnte im Jahr 1905 sogar erwiesenermaßen im selben Haus wie die Familie Broch, an der Schaafenmühle Nr. 3.

Emil Broch und August Woop führten das Unternehmen bis etwa 1912. Danach verkauften sie es an Wilhelm, Otto, Oswald und Alex Plümacher. Diese Familie war zu der Zeit bereits Besitzer der Solinger Messer-Manufaktur Kamphausen & Plümacher, die schon seit 1861 existierte. Die Plümachers führten das Unternehmen Broch & Woop ungefähr weitere 14 Jahre auf der Mittelstraße (auf der auch Kamphausen & Plümacher ansässig war), bevor sie es mit ihrem vorhandenen, größeren Unternehmen verschmolzen. (Zum Zeitpunkt des Erwerbs von Broch & Woop wurde die Firma Kamphausen & Plümacher erstmalig als GmbH ins Handelsregister eingetragen. Im Jahre 1971 wurde sie in eine Offene Handelsgesellschaft umgewandelt und im Jahr 1986 geschlossen. 1990 wurde das Unternehmen aus dem Register gelöscht.)

Das Höhscheider Adressbuch von 1925 war das einzige Buch, in dem Emil Brochs vorherige Firma (unter Leitung der Plümacher-Familie) und sein gerade neu gegründetes Unternehmen gleichzeitig gelistet wurden (siehe Foto).

Die Marke „Water Wheel“

Das Unternehmen Broch & Woop wurde ab 1908 zunächst als reine Rasiermesserschleiferei geführt. Diese Arbeiten werden im Schaafenmühler Schleifkotten problemlos zu bewerkstelligen gewesen sein. Doch im Jahr 1911 registrierten Emil Broch und August Woop das Markenzeichen „Water Wheel“. Offensichtlich wollten sie sich nicht weiterhin auf das reine Schleifen von Rasiermessern beschränken, sondern selbst in die Fertigung einsteigen. Für das Wasserrad, das in der Bildmarke abgebildet war, dürfte sicherlich das neue Wasserrad des Schaafenmühler Kottens Pate gestanden haben.

Anfangs haben Broch & Woop die Klingen der „Water Wheel“ Rasiermesser scheinbar nicht selbst geschmiedet, sondern über Großhändler zugekauft. Ein Hinweis hierfür findet sich in der Existenz eines Rasiermessers, auf dessen Klinge ein großer Adler mit dem Schriftzug „The Improved Eagle Razor“ zu sehen ist. Auf dem Erl des besagten Messers ist die große „Water Wheel“ Bildmarke zu sehen. Bei meiner Suche nach weiteren Exemplaren dieses Messers stieß ich jedoch auf sehr viele ähnliche Messer, die allesamt dieselbe Klinge besaßen, jedoch auf dem Erl grundsätzlich unterschiedliche Marken nannten. Viele dieser Marken scheinen reine Importmarken für den amerikanischen Markt gewesen zu sein, wie z.B. „Imperial Razor“, „Garland Cutlery“, „Lion Brand“, „Westfield Manufacturing“, Dixon Cutlery“, „Geneva Cutlery“, „Liberty Cutlery“ oder „Oxford Razor“. Das „Water Wheel“ Exemplar scheint hier eine der wenigen Ausnahmen gewesen zu sein, die aus einer real existierenden Manufaktur stammten.*

Von Zeit zu Zeit findet man alte Rasiermesser der Marke „Water Wheel“ in Auktionen und Foreneinträgen. Das Markenzeichen wurde jedoch 1912 zusammen mit der Firma an die Familie Plümacher veräußert. Daher wird bei Rasiermessern dieser Marke niemals vollständig geklärt werden können, ob sie tatsächlich aus der Produktion von Emil Broch stammen. Genau genommen können Rasiermesser dieser Marke sogar aus drei unterschiedlichen Perioden stammen:

  1. aus der Produktion von Emil Broch und August Woop als Broch & Woop (1911 – 1912),
  2. aus der Produktion der Plümachers unter der Firmenbezeichnung Broch & Woop (1912 – 1926), oder
  3. aus der Produktion des Unternehmens Kamphausen & Plümacher (nach 1926).

Nachtrag: Wie ich kürzlich herausfand, lässt sich diese Liste jedoch vermutlich weiter eingrenzen, da die Firma Kamphausen & Plümacher ihre Water Wheel Rasiermesser auf der Erl-Rückseite zusätzlich mit der Markierung „Kamphausen Plumacher Germany“ versehen hat. Ein Rasiermesser ohne diese rückseitige Markierung dürfte also sehr wahrscheinlich aus einer der beiden erstgenannten Perioden stammen.

In jedem Fall dürfte es als gesichert angesehen werden, dass Emil Broch nicht nur Rasiermesser unter den Marken »Kain-Abel«, »Elsine« und »Bromeso«, sondern auch unter der Marke »Water Wheel« produziert hat.


* Eine weitere Ausnahme bildete ein „Improved Eagle Razor“ des renommierten Solinger Herstellers Alexander Coppel, dessen Nachfolgeunternehmen bis zum heutigen Tag bekannt sind für die Marke „Alcoso“.

MarkeEditionModellBemerkungMaterialien GriffStahlBreite KlingeMuster KlingeInschrift KlingeErl vorneErl hinten
Water WheelThe Improved Eagle RazorKlinge (oder komplett) zugekauft?1. Knochen (?)
2. Stahl (?)
?9/16"AdlerThe Improved Eagle RazorWater WheelGermany
Water WheelThe King George RazorModell 497Klinge (oder komplett) zugekauft?Holz???King GeorgeThe King George Half-A-Crown RazorWater Wheel?
Water WheelSilver SteelElfenbeinSilver Steel5/8--Water WheelSilver Steel